Die häufigste Frage bei der Planung einer Photovoltaikanlage lautet: Wie viele Kilowatt-Peak (kWp) brauche ich? Wer zu wenig plant, kann seinen Strombedarf nicht decken. Wer zu viel plant, zahlt unnötig viel für Leistung, die er ins Netz einspeist — zu einem Vergütungssatz, der weit unter dem eigenen Strompreis liegt. Dieser Artikel zeigt Ihnen die genaue Berechnungsmethode mit typischen Werten für Deutschland.

Schritt 1: Jahresstromverbrauch kennen

Der Ausgangspunkt jeder PV-Planung ist der Jahresstromverbrauch in kWh. Sie finden ihn auf Ihrer letzten Jahresabrechnung oder im Online-Portal Ihres Versorgers. Typische Verbrauchswerte für Deutschland (ohne Wärmepumpe, ohne E-Auto):

HaushaltsgrößePersonenVerbrauch/JahrVerbrauch/Monat
Singlehaushalt1 Person1.500–2.000 kWh125–167 kWh
Kleiner Haushalt2 Personen2.500–3.500 kWh208–292 kWh
Mittlerer Haushalt3–4 Personen3.500–5.000 kWh292–417 kWh
Großer Haushalt5+ Personen5.000–7.500 kWh417–625 kWh
Haushalt + Wärmepumpe3–4 Personen6.000–9.000 kWh500–750 kWh
Haushalt + E-Auto (15.000 km/Jahr)3–4 Personen7.000–10.000 kWh583–833 kWh

Schritt 2: Volllaststunden Ihres Standorts

Die Volllaststunden (auch spezifischer Ertrag genannt, kWh/kWp/Jahr) geben an, wie viel Strom eine 1-kWp-Anlage an Ihrem Standort pro Jahr erzeugt. Diese Zahl hängt von der Sonneneinstrahlung in Ihrer Region ab:

Bundesland / RegionVolllaststunden (h/Jahr)Bemerkung
Schleswig-Holstein, Hamburg800–870Norddeutschland, bewölkt
Niedersachsen, Bremen860–920Nordwest
Nordrhein-Westfalen920–980Dichtbevölkerte Mitte
Hessen, Thüringen960–1.020Mitteldeutschland
Sachsen, Brandenburg970–1.040Ostdeutschland, oft sonniger
Rheinland-Pfalz, Saarland1.000–1.060Südwest
Baden-Württemberg1.020–1.080Gut besonnt
Bayern (Süd)1.050–1.150Beste Bedingungen in DE

Schritt 3: Die Formel zur Anlagengrößenberechnung

Anlagenleistung (kWp) = Jahresverbrauch (kWh) ÷ Volllaststunden (h/Jahr)
Diese Grundformel ergibt die Anlagengröße, die Ihren gesamten Jahresverbrauch deckt. Da Sie aber nicht 100% selbst verbrauchen werden, ist die empfohlene Praxis, das Ergebnis um 20–30% zu erhöhen oder einen Speicher hinzuzufügen.

Rechenbeispiel

4-Personen-Haushalt in NRW mit 4.500 kWh Jahresverbrauch:
• Volllaststunden NRW: 950 h/Jahr
• Anlagenleistung = 4.500 ÷ 950 = 4,74 kWp

Mit 20% Aufschlag für optimierten Eigenverbrauch:
• Empfohlene Anlagengröße: ca. 6 kWp (nächste Handelsgröße)

Bei 1,7 m² pro 400W-Modul:
• Anzahl Module: 15 Stück
• Benötigte Dachfläche: ca. 26 m²

Übersichtstabelle: Haushaltsgröße → Anlagengröße → Fläche

Diese Tabelle verwendet 950 Volllaststunden (NRW-Durchschnitt) und 400W-Module:

HaushaltVerbrauch/JahrAnlagengröße (kWp)Module (400W)Dachfläche
1–2 Personen2.500 kWh2,6 → 3,5 kWp9 Module~16 m²
3–4 Personen4.500 kWh4,7 → 6 kWp15 Module~26 m²
4–5 Personen6.000 kWh6,3 → 8 kWp20 Module~34 m²
+ Wärmepumpe8.000 kWh8,4 → 10 kWp25 Module~43 m²
+ E-Auto9.500 kWh10,0 → 12 kWp30 Module~51 m²

Faustregel: Planen Sie in Deutschland mit ca. 1 kWp pro 1.000 kWh Jahresverbrauch als Ausgangswert — dann mit dem Ziel, entweder auf 6 kWp (unter 30 kWp Steuerbefreiungsgrenze) oder auf die nächste Handelsgröße aufzurunden.

Eigenverbrauchsquote: Warum größere Anlagen nicht immer besser sind

Die Eigenverbrauchsquote gibt an, wie viel des selbst erzeugten Stroms Sie direkt verbrauchen — statt ihn ins Netz einzuspeisen. Dieser Anteil ist entscheidend für die Wirtschaftlichkeit, da der aktuelle Strompreis (~32 ct/kWh) deutlich über der Einspeisevergütung (~8 ct/kWh) liegt.

KonfigurationEigenverbrauchsquoteAutarkie
PV ohne Speicher, tagsüber zu Hause35–45%25–35%
PV ohne Speicher, tagsüber nicht zu Hause20–30%15–25%
PV + Speicher (5–7 kWh)55–70%45–60%
PV + Speicher (10+ kWh)70–85%60–75%
PV + Speicher + Wärmepumpe (smart)80–90%70–80%

Ausrichtung und Neigung: Einfluss auf den Jahresertrag

Die Ausrichtung und Neigung des Dachs beeinflusst den Ertrag erheblich. Als Referenz dient ein Süddach mit 35° Neigung = 100%:

AusrichtungNeigungRelativer ErtragEmpfehlung
Süd30–35°100% (Optimum)Ideal
Süd20–45°97–100%Sehr gut
Südwest / Südost25–40°93–97%Gut
West / Ost20–35°80–87%Akzeptabel, mehr Eigenverbrauch
Ost-West (2 Seiten)10–25°82–88%Gut für Eigenverbrauch
Nord20–45°55–65%Wirtschaftlich kaum sinnvoll

Tipp für Ost-West-Dächer: Eine Ost-West-Ausrichtung ist häufig sogar günstiger für den Eigenverbrauch, weil die Stromerzeugung besser auf den Tagesverlauf verteilt wird (morgens Ost, abends West) — statt eines starken Mittagspeaks bei Südausrichtung, der oft ins Netz eingespeist werden muss.

Faustformel für die Speichergröße

Wenn Sie einen Batteriespeicher mitplanen, empfiehlt sich als Faustregel: 1 kWh Speicher pro 1 kWp PV-Leistung. Für eine 8-kWp-Anlage wären das 8 kWh Speicher. Realistische Empfehlungen liegen bei 5–10 kWh für einen durchschnittlichen Haushalt.

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Häufige Fragen zur Anlagengrößenberechnung

Wie viel kWp Photovoltaik brauche ich für ein Einfamilienhaus?
Ein 4-Personen-Haushalt mit ca. 4.500 kWh Jahresverbrauch benötigt in NRW (950 Volllaststunden) etwa 4,7 kWp für eine vollständige Jahresdeckung — in der Praxis empfehlen sich 6–8 kWp. Mit Wärmepumpe oder E-Auto kalkulieren Sie besser mit 10–12 kWp.
Was sind Volllaststunden bei Photovoltaik?
Volllaststunden geben an, wie viele Stunden im Jahr eine Anlage mit voller Nennleistung laufen müsste, um den tatsächlichen Jahresertrag zu erzielen. In Deutschland liegen die Werte zwischen 800 h/Jahr (Norden) und 1.150 h/Jahr (Bayern). Eine 10-kWp-Anlage in Bayern erzeugt ca. 11.000 kWh/Jahr.
Welche Ausrichtung ist für Solarmodule optimal?
Optimal ist Süd mit 30–35° Neigung (100% Ertrag). Südwest/Südost liefern noch 93–97%. Eine Ost-West-Ausrichtung erzeugt etwa 82–88%, verteilt die Produktion aber besser über den Tag — sinnvoll für höheren Eigenverbrauch ohne Mittagsüberschuss.
Wie viel Dachfläche brauche ich für eine 10-kWp-Anlage?
Ein 400W-Modul misst ca. 1,7 m². Für 10 kWp brauchen Sie 25 Module = ca. 42–45 m² nutzbarer Dachfläche ohne Verschattung. Planen Sie zudem Sicherheitsabstände zu Dachrändern und Kaminschächten ein.
Lohnt sich ein Speicher zusätzlich zur PV-Anlage?
Bei einem Strompreis von 32 ct/kWh und einer Einspeisevergütung von 8 ct/kWh ist es viermal wertvoller, den Solarstrom selbst zu verbrauchen statt einzuspeisen. Ein Speicher erhöht die Eigenverbrauchsquote von ~30% auf 65–80%. Die Amortisation liegt bei 10–14 Jahren — wirtschaftlich sinnvoll bei neuen Anlagen.
Was kostet eine 10-kWp-PV-Anlage in Deutschland 2026?
Eine Komplettanlage (Module, Wechselrichter, Montage, Netzanschluss) kostet 2026 ca. 1.100–1.500 €/kWp, also ca. 11.000–15.000 € für 10 kWp. Mit 10-kWh-Speicher kommen 6.000–12.000 € hinzu. Dank 0% MwSt. (seit 2023 für Anlagen ≤30 kWp) sind diese Preise bereits steuerfrei.
Gilt die 30-kWp-Grenze für die Steuerbefreiung auch bei mehreren Anlagen?
Die Einkommensteuerbefreiung gilt für Anlagen bis 30 kWp pro Wohneinheit (und pro Gewerbebetrieb), maximal aber 100 kWp insgesamt pro Steuerpflichtigen. Für ein Einfamilienhaus ist die 30-kWp-Grenze also die relevante Obergrenze.